Bibliotheken in Zeiten von Kindle Unlimited

Books, library service

Kaum dass Amazon in den USA sein Leihgeschäft mit Kindle Unlimited auf die nächste Stufe gehoben hat (nach den ersten Testballons mit Amazon Premium’s Leihbücherei), erheben sich die ersten Stimmen, warum wir künftig noch Öffentliche Bibliotheken benötigen.

So stellt Tim Worstall in der heutigen Forbes die Frage:

More titles, easier access and quite possibly a saving of public funds. Why wouldn’t we simply junk the physical libraries and purchase an Amazon Kindle Unlimited subscription for the entire country?

Bibliotheken sollten sich nicht damit beschwichtigen, dass das Angebot zu begrenzt sei: Die regional Begrenzung auf die USA wird nur von kurzer Dauer sein, bevor Kindle Unlimited auch auf den europäischen Markt kommt. Und das Titelspektrum wird auch ausgeweitet werden (zurzeit nur ca. 600,000 Titel und keine Titel aus den großen Verlagshäusern).

Wenn die BibliotheksnutzerInnen sich ersteinmal daran gewöhnen, dass sie via Kindle Unlimited bequemer, schneller, unkomplizierter ihren Lesehunger befriedigen können als über die Onleihe und die Bibliothek vor Ort, dann werden sich Bibliotheken die Frage gefallen lassen müssen, welchen Mehrwert sie bieten können, der es rechtfertigt, sie durch öffentliche Mittel zu finanzieren.

### Update ###

Brian Mathews (the ubiquitous librarian) hat im Chronicle of Higher Education einen Post geschrieben: DID AMAZON JUST CHANGE THE WORLD? Unlimited Kindle Books is a Game Changer in dem er die Implikationen für wissenschaftliche Bibliotheken durchspielt, einmal aus der Sicht des Wissenschaftlers, einmal aus der Sicht des Bibliothekars.

I can see campus administrators (and Boards of Trustees) looking at this and asking—why do we need to continue investing so much in the library collection when we can pay Amazon?

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3 thoughts on “Bibliotheken in Zeiten von Kindle Unlimited

  1. Das Ausleihen an sich ist ja auf physische Dinge beschränkt: Man leiht Autos, Bohrmaschinen, Minigolfschläger etc. eben deshalb, weil man selbst nicht, aber jemand anderes dieses Ding hat und es einem überlässt. Nun sind Daten (eBooks) nicht mehr phyisch: Wenn ich sie habe, kann jemand anderes sie auch haben. Ich kenne kein Geschäftsmodell, dass das Ausleihen von MP3s im Fokus hat. Auch Filme leiht man nur dann aus, wenn sie auf einem physischen Datenträger vorliegen (DVD/BlueRay). Da verhindert dann ein Kopierschutz, dass sie nicht ins Digitale transferiert werden (zumindest wird das versucht). Ausleihbeschränkungen wie DRM sind eher künstliche Maßnahmen, die Daten auf einem Gerät zu behalten.

    Mal abgesehen davon, dass Bibliotheken auch noch andere Aufgaben als das Lagern und verleihen von Büchern haben, wäre der Sinn im Digitalbuchalter tatsächlich zu überlegen. Aktuell kaufen Bibliotheken Bücher und verleihen sie, um dem Bürger einen kostenlosen/-günstigen Zugang zu gewähren. Die Ausgabe findet vor der Nutzung statt (wie bei vielen Gütern), die Nutzung ist durch die Anzahl der gekauften Bücher begrenzt, sodass sich das Buch weiterhin besser verkauft, wenn es häufiger gelesen wird (entweder, weil Bibliotheken mehr Exemplare gleichzeitig oder nacheinander brauchen). Ein gutes Buch bringt mehr Geld, das Leistungsprinzip greift trotz Leihe.

    Im Digitalen könnte das Land/der Bund eine Datei kaufen und diese an alle “verleihen” (eigentlich wäre bereitstellen das richtige Wort). Das hebelt aber den Aspekt aus, dass Bücher, die öfter gelesen werden, mehr Einnahmen haben. Hierzu braucht es eine Lösung, die über einen gewöhnlichen Download-Zähler hinaus geht (vgl. tsundoku).

    Meine Idee (die ich am Anfang dieses Kommentars noch nicht hatte), ist nun eine Art Lesestatistik (und ich schiebe jetzt bewusst alle datenschutzrechtlichen Bedenken mal weg, hierfür gibt es bereits Technologien, wenn man sie einsetzen will): Das Buch wurde 1567,38 mal gelesen und ist genauso viel wert. Ende. Jetzt bräuchte man nur fähige Leute in der VG Wort und schon hätte diese auch wieder eine Daseinsberechtigung.

  2. @Anja Lorenz: natürlich gibt es Leihmodelle für Digitale Medien – quasi jede Streaming-Videothek, jeder Musik-Abo-Dienst oder auch die mehr als unpraktische Onleihe kennt zeitlich beschränkte Nutzungslizenzen.

    Grundsätzlich: die Berichterstattung scheint mir sehr darauf ausgelegt, daß Bibliotheken hauptsächlich physische Medien verleihen – bloß in welcher Bibliothek ist dies noch Hauptbeschäftigung?

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